Muttertag by Nele Neuhaus

Muttertag (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi #9)

Muttertag by Nele Neuhaus

My rating: 4 of 5 stars


Nele Neuhaus auf dem Weg nach vorgestern

Ich war skeptisch, als ich die Lektüre des neuen Krimis um das Ermittler-Duo Bodenstein/Sander (vormals Kirchhoff) begann. Allzu routiniert und lieblos heruntergeschrieben fühlte sich das vorherige Buch „Im Wald“ für mich an.

Dies schien sich auch zu bestätigen: Nach kurzer Einführung startet „Muttertag“ mit dem Auffinden der Leiche eines alten Mannes langsam und behäbig. Viele Figuren werden eingeführt, die Ermittlungen laufen in verschiedene Richtungen und – zeitweise – wirkt das zäh und arg bemüht.

Es wechselt zudem immer wieder die Erzähl-Perspektive zwischen der Haupthandlung, einem Nebenstrang und einem inneren Monolog des Mörders. Das hilft nicht wirklich dabei, sich in der Erzählung zurecht zu finden und wird langatmig. Bis etwa zur Hälfte des Buches.

Erst danach beginnen die Zusammenhänge klarer zu werden und Ermittlung wie Erzählung nehmen Fahrt auf. Denn nach der langen Durststrecke findet Neuhaus zurück zu alter Form der früheren Bücher, vorgestern: Spannend, mitreißend, dramatisch wird es und ein bis dahin laues Belletristik-Lüftchen wird zum Sturm, der die Seiten geradezu umreißt.

Ein versöhnlicher Schluss mit Nettigkeit und Charme rundet „Muttertag“ ab und macht zwar leichte Krimi-Kost nicht nahrhafter, aber doch appetitlich und lecker!




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Mittagsstunde by Dörte Hansen

Mittagsstunde: Roman

Mittagsstunde: Roman by Dörte Hansen

My rating: 4 of 5 stars


Wieder ein großer Wurf, der an seinen Vorgänger erinnert.

Diesmal geht geht es um das Sterben eines Dorfes über Jahrzehnte hinweg. Damit einhergehend sterben aber nicht „nur“ das Dorf und seine Bewohner, sondern eine ganze „Dorf-Kultur“: Mit Flurbereinigung und allgemeiner Urbanisierung gehen Traditionen und manchmal auch Existenzen zugrunde.

Hansen glückt es jedoch, in diesem Untergangsszenario auch bereits den hoffnungsvollen Anfang einer Weiterentwicklung darzustellen. Insbesondere ist verdienstvoll, dass es Hansen mit großer Behutsamkeit und Zurückhaltung durchgängig glaubwürdig gelingt, die charakterliche Entwicklung insbesondere Ingwers sich organisch entwickelnd darzustellen.

Auch hier ist der „Wiedererkennungswert“ autobiografischer Erfahrungen potentiell groß: Viele Schilderungen im Buch haben mich schmunzeln lassen oder mich allgemein an meine eigene Kindheit „auf‘m Dorf“ denken lassen.

Insofern habe ich mich auch in „Mittagsstunde“ (bei uns übrigens eine Stunde später, von 13:00 bis 15:00 Uhr) sehr schnell heimisch gefühlt und habe Seite um Seite in Ruhe genossen; mit Ingwer, Sönke und Ella gebangt, geendet und neu begonnen.

Ganz reicht es dann doch nicht an „Altes Land“ heran, aber es fehlt nicht viel daran und ich freue mich schon auf den nächsten Roman.



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Altes Land by Dörte Hansen

Altes Land

Altes Land by Dörte Hansen

My rating: 5 of 5 stars


Ein Jahrhundert-Roman

Wie ein mächtiger Strom ist „Altes Land“ – mal ruhig und unaufgeregt erzählend von der Familie Eckhoff, Heinrich „Hinni“ Lührs und anderen Bewohnern des alten Landes, dann wieder mitreißend und voller Kraft.

Dörte Hansen erzählt mit größtmöglichem Respekt und großer Behutsamkeit von und über ihre Protagonisten. Keiner von ihnen ist frei von Fehlern, frei von Schuld, und alle erhalten Raum, ihren Blickwinkel darzulegen. So wird schwer Verständliches nicht besser, aber doch nachvollziehbarer. Man muss diese Menschen nicht mögen, aber es ist fast unmöglich, sich ihnen zu entziehen.

Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass man Hansens Protagonisten beinahe zu kennen meint: Die Öko-„Familienmanagerinnen“, deren Kinder in die frühkindliche Begabtenförderung gequält werden, der alte Landwirt, der weiß, dass ihm niemand mehr nachfolgen wird und der trotzdem nicht aus seiner Haut kann, die seltsame (oder zumindest so wahrgenommene) ewig „Zugezogene“ – sie alle entstammen dem alten Land oder finden sich darin.

Es sind aber alles Menschen, die nicht nur dort anzutreffen sind, sondern die glaubwürdig und lebensecht in jeder Art von kleinem Ort leben könnten.

Meine Vera heißt Leane und lebt – mittlerweile über 90 Jahre alt – in einem kleinen Dorf irgendwo in Deutschland. Auch sie war geflohen und war jemand in Not, so war sie da und ihre Tür (natürlich die Hintertür!) stand (nicht nur) mir immer offen.
So vieles habe ich „wiedererkannt“ ohne jemals im alten Land gewesen zu sein. Über weite Teile des Romans hatte ich das Gefühl, Hansen schriebe mir förmlich aus der Seele.

Für mich ist „Altes Land“ ein Jahrhundert-Roman, ein seltener und kostbarer Glücksfall der Literatur, der mich begleiten wird wie sonst wohl nur Thomas Manns Buddenbrooks.



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You go me on the cookie! by Dana Newman

You go me on the cookie!

You go me on the cookie! by Dana Newman

My rating: 2 of 5 stars


Dear Dana,

I‘ve watched your videos on YouTube and really enjoyed myself – I like your style, your charming, fresh, delightful and funny presentation. It‘s both greatly amusing and relaxing as well as informative and interesting.
I’ll never forget the video in which you explain your opinions on the USA and their current administration as it deeply moved me and showed a side of you rarely seen.

Your book, too, started strong: Indiana Jones of linguistics – I could almost picture you wearing a fedora and whipping the German language; my native language. I feel thoroughly at home in English as well; I’m having a lifelong love affair with it. 😉

Unfortunately, the book becomes annoying pretty early as you start explaining even small things like quotation marks (“Anführungszeichen gewollt”). If you put something in quotation marks that doesn’t need it, your readers will get your meaning. We’re not daft, don’t spell it out.

At times, it looks like you’re forgetting you’re writing a book and not a blog post or something like that and start YELLING AT US.
Please don’t do that. It’s like taking a sledgehammer to crack a nut (Mit Kanonen auf Spatzen schießen 😉 ).

Another example of “blogisms” are the overused interjections like this one: “Haha! Scherz! Die versteht doch kein Mensch, oder?”
Either something is funny or it’s not. As you write yourself later, chances are high it’s not that funny if you have to explain it. Or, as you put it, “manchmal funktioniert der Witz auch nur für mich”. All to often that’s the case here.

At other times you start lecturing us, e. g. when writing about sentence structure and verb placement. Taking an unfunny longish sentence nobody would ever use doesn’t help either.

Really truly jarring are the factual mistakes, though: Starting with the fact that “Bretzel” is not a word but a simple misspelling of “Brezel” (cf. the Duden as the ultimate authority on German).
You don’t have to know that but your translator should have, and your editor, etc.

And don’t listen to Stefan, please, when it comes to German: The genetive might, unfortunately, not be used as it should be but that’s simply part laziness and part ignorance, sorry!
It really is “wegen des Regens”, not “wegen dem Regen”. If you want read about this, I strongly recommend Bastian Sick’s “Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod” (sic).

By the way, wouldn’t you say “Sehnsucht” translates very well to “longing” or “yearning”?

Anyway, in spite of all of my criticism there is a lot of the 😉 Dana in here; if it’s you accidentally expressing your desire to eat all those animals in the park, or the following poetic passage which evoked images of you in some of your videos:

“[…] ich kann mich daran erinnern, dass mein Herz förmlich dahinschmolz, sich schnell wieder fasste, nur um dann vor Freude zu hüpfen und zu tanzen.”

I’m loving that one. 🙂

In short, Dana, please keep making amazing, funny, touching, beautiful videos. That’s where you shine the brightest.

(Oh, and while I certainly respect you deeply, I wouldn’t hesitate a second to Du’z you! 😉 )

Best regards, Wulf




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