Opfer 2117 (Sonderdezernat Q #8) von Jussi Adler-Olsen

April 9, 2020

Oder “Bullshit-Bingo mit Jussi”
Oder “Alle Probleme dieser Welt – in einem Buch!”

My rating: 1 of 5 stars

Erst da begriff Carl, dass Assad gerade auf der Kippe stand – der Kippe zwischen Mensch und Killermaschine.

Meine Güte, Adler-Olsen, was tun Sie da eigentlich?! Sie haben unglaublich sympathische Protagonisten: Carl Mørk, behäbiger Ermittler, der gern mal an seinem Schreibtisch schläft und seine Fälle eher widerwillig, aber beharrlich löst.
Assad, sein Kollege mit scharfem Verstand, viel Empathie und arabischem Migrationshintergrund, der immer wieder für amüsante Sprichwort-Verwechslungen sorgt, aber auch ein dunkles (?) Geheimnis mit sich herumträgt, das ihn schwer belastet.

Diese beiden eigentlich grundverschiedenen Menschen raufen sich Buch für Buch zusammen und lösen mit Verständnis, großer Humanität und Einfühlungsvermögen schwierige “Cold Cases”, die häufig auf Themen der Zeitgeschichte bezug nehmen. In bisher sieben Büchern habe ich Carl und Assad “begleitet” und es weitestgehend genossen.

Dieses achte Buch jedoch…

Lieber Leser, nimm Dir einen Zettel, und schreibe alle halbwegs aktuellen Herausforderungen der Menschheit des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts (außer COVID-19!) auf. Ich warte solange…

Ok? Laß uns mal vergleichen:

– Bootsflüchtlinge? ✓
– Seenot-Rettung? ✓
– Unhaltbare in Flüchtlingslagern? ✓
– Iranisches Atom-Programm? ✓
– Videospiel-Sucht? ✓
– “Die Jugend von heute!!!!!!1!!1!!!!”? ✓
– Presse-Schelte? ✓
– Schwangerschaft mit > 50? ✓
– Internationaler Terrorismus? ✓
– US-Imperialismus? ✓
– Dysfunktionale Familien? ✓
– Irak-Krieg/Abu-Ghuraib-Gefängnis? ✓

Na? Alles gehabt? Oder total perplex, so wie ich es war? Nicht mißverstehen: Über all das kann man schreiben, diskutieren und es auch in Krimis unterbringen, keine Frage.
Aber muß man wirklich all das in einem Buch unterbringen?

Darüber hinaus sind ständige Perspektiv-Wechsel und Zeitsprünge natürlich auch aus der modernen Literatur nicht mehr wegzudenken – und manchmal ist das interessant und spannend!
Hier jedoch ist es nur verwirrend, nervig und zeitweise schwer verständlich.

Was dabei herauskommt, wenn man all das in ein Buch zwängt, kräftig umrührt, mit ein bißchen unnötiger Gewalt garniert, schlußendlich noch ein bißchen Werbung für einen bekannten Computer-Hardware-Hersteller dazu kippt und die ganze Sauerei seinen Lesern vor die Füße kotzt, das sieht man an “Opfer 2117”.

Dazu kommt dann noch bemüht technokratische Sprache, wie nachfolgend sehr schön am Beispiel eines klingelnden Handys erkennbar wird:

Sie waren bis etwa Kassel gekommen, als die Bluetooth-Verbindung auf Carls Handy reagierte.

Warum einfach, wenn’s auch unnötig kompliziert geht?

Stalin, der Holocaust (!) und ein bißchen Satan runden das grottenschlechte Bild dieses Romans trefflich ab, so daß ich mich dem Wunsch eines unserer “Helden” nur anschließen kann…

er wünschte, er könnte sich die Ohren zuhalten und einfach aus diesem satanischen Tableau verschwinden.

… auch wenn’s bei mir die Augen waren.


Wer sich den Mist nicht antun mag: Natürlich geht ausnahmslos alles (!) letztlich gut aus und Assads Geheimnis ist auch eher mau.




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